Inhaltswar­nun­gen
LGBTQIA+-Feindlichkeit, Ras­sis­mus, Anti­semitismus, Mus­lim­feindlichkeit, Sanismus

Dieses Dossier ist in Zusam­me­nar­beit von Keinen Pix­el den Faschis­ten! und Gesicht Zeigen! Für ein weltof­fenes Deutsch­land e.V. entstanden.

Vorwort

Am 28. August 2020 sollte auf ein­er großen Entwick­lerkon­ferenz ein Pan­el mit dem The­ma “devel­op­ers against vio­lence, anti-semi­tism, racism, facism, sex­ism and dis­crim­i­na­tion” stat­tfind­en. Als Gast wurde dazu das Entwick­ler­stu­dio Destruc­tive Cre­ations ein­ge­laden, die in diesem Rah­men ihr neues “antifaschis­tis­ches” Spiel War Mon­grels vorstellen woll­ten. Das Pan­el fand nie statt, nach­dem Verknüp­fun­gen zur recht­sex­tremen Szene des Stu­dios bekan­nt wurden.

Etwa ein Jahr später soll dieses Spiel nun erscheinen. Dies nehmen wir zum Anlass, dieses Dossier zu veröffentlichen.

Damals wie heute wird weit­ge­hend unre­flek­tiert über das Spiel sowie das Stu­dio dahin­ter berichtet. Denn hin­ter Destruc­tive Cre­ations ste­hen, so wer­den wir bele­gen, Men­schen, die nur sehr schw­er als Antifaschis­ten beze­ich­net wer­den könnten.

Auch die Darstel­lung der Geschichte, wie sie in War Mon­grels gezeigt wer­den soll, muss kri­tisch hin­ter­fragt wer­den. Wir fühlen uns nicht wohl damit, dass Destruc­tive Cre­ations his­torische Hand­lun­gen des 2. Weltkrieges in ihrem Sinne neu interpretiert.

Daher wer­den wir in diesem Dossier vorstellen, wer hin­ter Destruc­tive Cre­ations ste­ht. Anschließend wer­den auch die vier Spiele des Stu­dios von uns beleuchtet.

Studio-Dossier inklusive Detailbetrachtungen der Spiele und Rezeption

Gruppenfoto des Teams von Destructive Creations in Gliwice vor dem Firmensitz im Jahr 2016. Man sieht insgesamt 18 Männer vor einem Haus stehen, wobei das Foto bis auf eine vermutlich polnische Nationalflagge (rot-weiß) am Dach des Hauses komplett schwarz-weiß ist.
Das Team von Destruc­tive Cre­ations 2016 in Gli­wice vor dem Fir­men­sitz. Quelle: Facebook.

Im Okto­ber 2014 ereilte das pol­nis­che Entwick­ler­stu­dio Destruc­tive Cre­ations (kurz DC; Hatred, Ances­tors Lega­cy, IS Defense, War Mon­grels) ein schw­er­wiegen­der Vor­wurf – die Geschäfts­führung und einzelne Mitarbeiter*innen sym­pa­thisierten offen mit recht­sex­tremen Organ­i­sa­tio­nen. Auf Tum­blr und Poly­gon wurde der CEO Jarosław Zielińs­ki mit Screen­shots seines Face­book-Pro­fils kon­fron­tiert, auf dem er die recht­sex­treme Liga Obrony Rodziny (Liga zur Vertei­di­gung der Fam­i­lie) geliked hatte.

Auch seine zwei langjähri­gen Mitar­beit­er Marcin Kaźmier­czak und Jakub Sty­ch­no sollen den zen­tralen Play­ern der recht­sex­tremen Organ­i­sa­tion­s­land­schaft Polens gefol­gt sein: dem ONR (Nation­al-Radikales Lager) und der MW (Allpol­nis­che Jugend). Bei­de Organ­i­sa­tio­nen existierten bere­its in den 1920er und ‑30er Jahren und ver­fol­gten das Ziel eines großpol­nis­chen Reich­es nach faschis­tis­chem Führerprinzip, total­itär­er Gesellschaft­sor­d­nung und Ghet­toisierung und Liq­ui­dierung aller jüdis­chen Pol*innen. Ihr Ziel auch heute noch: ein katholis­ch­er Staat pol­nis­ch­er Nation.

Auf Nach­frage von Polygon.com reagierte Zielińs­ki abwiegelnd:

My grand-grand father was killed by Gestapo. Some mem­bers of my fam­i­ly were fight­ing against nazi occu­pa­tion in the Pol­ish under­ground army called ‚Armia Kra­jowa’. My fore­fa­thers suf­fered great­ly because of total­i­tar­i­an regimes, so who the fuck would I be if I’d tru­ly sup­port any of Nazi activists.

Auch Kaźmier­czak insinuierte 2014, dass es einen pol­nis­chen Recht­sex­trem­is­mus vor dem Hin­ter­grund deutsch­er Ver­brechen im Zweit­en Weltkrieg nicht geben könne:

Nazi Ger­many is respon­si­ble for killing 6 mil­lion peo­ple in Poland. Half of them were Jews, half of them Pol­ish. My fam­i­ly suf­fered many loss­es dur­ing the World War II. Any­body accus­ing me for being a fol­low­er of said ide­ol­o­gy should real­ly think twice before doing so and con­sid­er read­ing some books on the top­ic. … Val­ues like plu­ral­ism, demo­c­ra­t­ic oppo­si­tion and the right to man­i­fest one’s own views shouldn’t be called ‘the lack of tol­er­ance’. Final­ly regard­ing my atti­tude towards gays let me just say that I have a few gay friends that I deeply respect as peo­ple and have no prob­lem with their sex­u­al orientation.

Dass sich freilich auch pol­nis­che Organ­i­sa­tio­nen der Zwis­chenkriegszeit zur faschis­tis­chen Organ­i­sa­tions­fam­i­lie zählten und offen total­itär-faschis­tis­che und anti­semi­tis­che Gesellschaftsvi­sio­nen mit Gewalt ein­forderten, ist sowohl von der pol­nis­chen als auch inter­na­tionalen His­to­ri­ogra­phie aus­führlich unter­sucht wor­den. Die his­torische MW und das ONR waren vor 1939 maßge­blich für die Ein­führung soge­nan­nter „Ari­er-Para­graphen” in Berufsver­bän­den ver­ant­wortlich. Mith­il­fe bisweilen tödlich­er Auss­chre­itun­gen gelang ihnen die Ein­führung von Zulas­sungs­beschränkun­gen für jüdis­che Pol*innen an den Uni­ver­sitäten des Lan­des. Mit Atten­tat­en auf jüdis­che Ein­rich­tun­gen ver­fol­gten MW und ONR ein gemein­sames Ziel: die Aus­gren­zung, Ghet­toisierung und Liq­ui­dierung des pol­nis­chen Juden­tums, wie es in ein­er ihrer Zeitun­gen 1939 hieß. Man zählte sich zur faschis­tis­chen Organ­i­sa­tions­fam­i­lie Europas. Mit Beginn der deutschen Besatzung lösten sich die Organ­i­sa­tions­for­men von MW und ONR zwar auf, ihre Net­zw­erke bestanden aber fort. Sie beteiligten sich aktiv an der Ver­fol­gung und Ermor­dung von Juden im beset­zten Polen und forderten noch im Sep­tem­ber 1944 – nach der Befreiung des Ver­nich­tungslagers Maj­danek – ein “entjudetes Polen”. Nach 1944 gelang es dem Führungszirkel des ONR, sich erfol­gre­ich als nation­al-bolschewis­tis­ches Net­zw­erk neu zu erfind­en. Führende ONR-Fig­uren über­nah­men lei­t­ende Posi­tio­nen in der Volk­sre­pub­lik Polen als Staat­sräte und Sen­a­toren. Während der anti­semi­tis­chen Kam­pagne von 1967/68 waren diese Vorkriegs­faschis­ten treibende Kräfte: zahlre­iche jüdis­che Pol*innen und Holo­caust-Über­lebende wur­den unter anti­semi­tis­chen Vorze­ichen des Lan­desver­rats bezichtigt und mussten ihre pol­nis­che Heimat unter Zwang ver­lassen. Mit dem Ende des Sozial­is­mus in Polen wur­den das ONR und MW zum Ende der 1980er, bzw. Anfang der 1990er Jahre, unter alter Beze­ich­nung und Ästhetik der Vorkriegszeit neu gegründet.

Seit den Vor­fällen um Hatred 2014 hat CEO Jarosław Zielińs­ki seine Gefällt-mir-Angaben auf Face­book auf pri­vat geset­zt. Da Face­book seit 2018 zudem die neo-faschis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen ONR und MW geban­nt hat, weisen fol­gerichtig auch die Pro­file von Kaźmier­czak und Sty­ch­no keine Verbindung mehr mit den ihnen zum Vor­wurf gemacht­en Grup­pen auf. Zumin­d­est auf den ersten Blick: denn vom Vor­wurf der recht­sex­tremen Gesin­nung kann sich Destruc­tive Cre­ations nach Recherchen von Keinen Pix­el den Faschis­ten! und Gesicht Zeigen! Für ein weltof­fenes Deutsch­land e.V. den­noch nicht lösen.

Auf seinem öffentlich ein­se­hbaren Face­book-Pro­fil postet und duldet CEO Zielińs­ki regelmäßig LGBTQIA+-feindliche, nation­al­is­tis­che, anti­semi­tis­che und antimus­lim­is­che Kom­mentare. Auch seine Mitarbeiter*innen liken Posts mit recht­sex­tremen Inhal­ten, teilen entsprechende Inhalte und fol­gen ein­schlägig als recht­sex­trem bekan­nten Grup­pen und Politiker*innen.

Ger­ade der harte Kern langjähriger Entscheidungsträger*innen um CEO Zielińs­ki teilt ein recht­sex­tremes Welt­bild und lässt dieses augen­schein­lich in das Gamedesign und Sto­ry­telling sein­er Pro­duk­te mit ein­fließen. Inter­es­san­ter­weise über­dacht Destruc­tive Cre­ations dabei zwei miteinan­der konkur­ri­erende Lesarten von Recht­sex­trem­is­mus: einen total­itär-katholis­chen, neo­faschis­tisch geprägten Nation­al­is­mus ein­er­seits (dazu gehören bspw. das ONR und MW), und einen slaw­isch-neuhei­d­nisch geprägten Nation­al­is­mus ander­er­seits. Bei­de Strö­mungen zele­bri­eren gle­icher­maßen das Mit­te­lal­ter als gold­ene Epoche ein­er eth­nisch-kul­turellen „Rein­heit“. Während der neo­faschis­tisch-katholis­che Zweig die Zeit nach dem Jahr 996 – der Chris­tian­isierung Polens – als Ide­al imag­iniert, ori­en­tiert sich der Neo­pa­gan­is­mus in Polen an jenen Slawen­fürsten, die sich der Chris­tian­isierung und damit der „Verun­reini­gung“ der eth­nis­chen Iden­tität wider­set­zt haben.

Trotz dieser sich beißen­den Grund­sätze haben sich bei­de Strö­mungen in Polen zu ein­er strate­gis­chen Gemein­schaft zusam­menge­fun­den – so kooperieren die Neuhei­den mit dem Ruch Nar­o­dowy (Nationale Bewe­gung), ein­er im pol­nis­chen Par­la­ment vertrete­nen recht­sex­tremen Partei, die aus einem Zusam­men­schluss aus ONR und MW her­vorge­gan­gen ist. Zusam­men mit dem ONR und MW organ­isiert der Ruch Nar­o­dowy jährlich den größten recht­sex­tremen Auf­marsch Europas, den soge­nan­nten Marsch der Unab­hängigkeit in Warschau am 11. Novem­ber, an dem auch deutsche Recht­sex­treme von PEGIDA oder der Iden­titären Bewe­gung teil­nehmen. Das nach­fol­gende Bild vom Auf­marsch aus dem Jahr 2018 zeigt, neben der pol­nis­chen Nation­alflagge in Weiß-Rot, das seit 1934 unverän­derte Sym­bol des ONR auf grünem Grund sowie die schwarz-weiß-rote Beflag­gung der ital­ienis­chen Neo­faschis­ten der Nue­va Forza.

“Marsch der Unab­hängigkeit” in Warschau, 11.11.2018

Marcin Kaźmierczak, VfX-Artist

Gruppenfoto des Teams von Destructive Creations in Gliwice vor dem Firmensitz im Jahr 2016. Das Gesicht eines Mannes in der Mitte (Marcin Kaźmierczak, 2014-2020 VfX Artist bei DC) ist durch einen roten Kreis markiert.
Screen­shot von Kaźmier­czak im Team von Destruc­tive Cre­ations, 2016.

Der Ruch Nar­o­dowy ste­ht beson­ders bei Marcin Kaźmier­czak (Mai 2014 bis Okto­ber 2020 VfX Artist bei DC) hoch im Kurs. Kaźmier­czak fol­gt dem Parteivor­sitzen­den (Robert Win­nic­ki) und dem Partei-Vize (Krzysztof Bosak) auf Face­book, wo er mit Klar­na­men angemeldet ist. Außer­dem gefall­en ihm eine Rei­he ander­er recht­sex­tremer Parteien, wie bspw. die „Nowa Praw­ica” (Neue Rechte) und deren Jugend­sek­tion Sekc­ja Młodzieżowa:

Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Marcin Kaźmierczak bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite von Robert Winnicki, dem Vorsitzenden der neuheidnischen, neofaschistischen Ruch Narodowy, gelikt hat. Der Eintrag von Winnickis Seite in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Screen­shot von Likes durch Kaźmier­czak beim neo­faschis­tis­chen Poli­tik­er Winnicki.
Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Marcin Kaźmierczak bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite von Krzysztof Bosak, dem Vize-Vorsitzenden der neuheidnischen, neofaschistischen Ruch Narodowy, und eine Seite der rechtsextremen Nowa Prawica und ihrer Jugendsektion Sekcja Młodzieżowa gelikt hat. Alle drei Einträge in der Liste sind auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Screen­shot von Likes durch Kaźmier­czak bei recht­sex­tremen Poli­tik­ern und Parteien.

Auf fol­gen­den Bildern sind Robert Win­nic­ki und Krzysztof Bosak als Red­ner bei Ver­anstal­tun­gen der neo-faschis­tis­chen Organ­i­sa­tion Ruch Nar­o­dowy und der von Face­book geban­nten neo-faschis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen ONR (grüne Flaggen) sowie MW (schwarze Flaggen) zu sehen:

Auf Bild 4 ist der Partei-Vize des neo-faschis­tis­chen Ruch Nar­o­dowy mit dem in der recht­sex­tremen Szene beliebten Mod­e­la­bel „Red is Bad” abge­bildet – ein Label, das auch dem langjähri­gen Destruc­tive Cre­ations-Mitar­beit­er Kaźmier­czak gefällt:

Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Marcin Kaźmierczak bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite von "Red is Bad", einem in der rechtsextremen Szene beliebten Modelabel, gelikt hat. Der Eintrag von der Seite von "Red is Bad" in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like von Kaźmier­czak bei der Face­book-Seite Red is Bad.

Neben zahlre­ichen weit­eren Has­s­grup­pen gegen die LGBTQIA+-Community, Frauen­rechte, Juden, Mus­lime und Linke, sticht ein Inter­esse beson­ders her­vor: die recht­sex­treme Zeitschrift W Pół Dro­gi: Pis­mo Idei Nacjon­al­isty­cznej (Auf halbem Weg: Zeitschrift der nationalen Idee):

Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Marcin Kaźmierczak bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite rechtsextreme Zeitschrift "W Pół Drogi: Pismo Idei Nacjonalistycznej" (Auf halbem Weg: Zeitschrift der nationalen Idee) gelikt hat. Der Eintrag von der Seite der Zeitschrift in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like von Kaźmier­czak auf der Face­book­seite von W Pół Drogi.
Ein Cover der rechtsextremen Zeitschrift W Pół Drogi: Pismo Idei Nacjonalistycznej. Man sieht einen Mann in weißem Hemd mit einer Armbinde der neofaschistischen ONR vor einem Kreuz umgeben von Grün wie in einem Wald stehen.
Cov­er der recht­sex­tremen Zeitschrift W Pół Drogi.

W Pół Dro­gi propagiert offen die faschis­tis­che Ide­olo­gie des Nation­al-Radikalen-Lagers ONR, set­zt sich somit für eine nationale Rev­o­lu­tion, eine total­itär-katholis­che Gesellschaft­sor­d­nung und ein eth­nisch homo­genes sowie LGBTQIA+-feindliches Polen ein. Hier wer­den Inter­views mit ehe­ma­li­gen und aktuellen Anführern des ONR und des Ruch Nar­o­dowy geführt, recht­sex­treme Video­por­tale emp­fohlen und mith­il­fe pop­kul­tureller und szene­typ­is­ch­er Glitch-Ästhetik neue Trends im Recht­sex­trem­is­mus beworben.

Ein Screenshot aus W Pół Drogi Nr. 2 (o.D.) mit der Abbildung der grünen ONR-Armbinde und dem ONR-Slogan „Tod den Feinden des Vaterlands“.
Ein Screen­shot aus W Pół Dro­gi Nr. 2 (o.D.) mit der Abbil­dung der ONR-Arm­binde und dem ONR-Slo­gan „Tod den Fein­den des Vaterlands“.
Ein Screenshot aus W Pół Drogi Nr. 4 (2020) für ein rechtsextremes Videoportal. Zu sehen sind Aufnahmen aus American History X oder Propaganda-Aufnahmen von Benito Mussolini.
Ein Screen­shot aus W Pół Dro­gi Nr. 4 (2020) für ein recht­sex­tremes Video­por­tal. Zu sehen sind Auf­nah­men aus Amer­i­can His­to­ry X oder Pro­pa­gan­da-Auf­nah­men von Ben­i­to Mussolini.

Das faschis­tis­che Mag­a­zin ver­ste­ht sich außer­dem als Net­zw­erkmedi­um der europäis­chen Recht­sex­tremen; hier find­en sich Inter­views mit Vertreter*innen bspw. aus Frankre­ich (Dis­si­dence française) oder Griechen­land (Gold­ene Mor­gen­röte). Kein Wun­der, schließlich wird das Mag­a­zin von der pol­nis­chen Spielart des III. Weg (in Deutsch­land eine recht­sex­treme Klein­partei, auf Pol­nisch Trze­cia Dro­ga bzw. 3Droga) ange­boten.

Ein Screenshot aus W Pół Drogi Nr. 4 (2020) mit der Elhaz- bzw. Algiz-Rune dass auch im NS als „Lebensrune“ bei der SS und anderen NS-Organisationen zum Einsatz kam.
Ein Screen­shot aus W Pół Dro­gi Nr. 4 (2020) mit der Elhaz- bzw. Algiz-Rune, die auch im NS als „Leben­srune“ bei der SS und anderen NS-Organ­i­sa­tio­nen zum Ein­satz kam. Auch die Flagge der neon­azis­tis­chen „All­ger­man­is­chen Hei­d­nis­chen Front“ in Deutsch­land benutzt dieses Zeichen. Weltweit von recht­sex­tremen Szenen als Sym­bol für nation­al­is­tisch ver­stande­nen Naturschutz ver­wen­det: Öko­faschis­mus. Auch der Atten­täter von Christchurch beze­ich­nete sich als Öko-Faschist.

Das Sym­bol ist auch bei recht­en Steam-User*innen beliebt.

Screenshot eines Wallpapers bei Steam mit dem Titel "Algiz Rune - Viking Thulean Eco-Fascism - Snowy Forest". In der Vorschau des Wallpapers sieht man einen nebligen Wald. Im Vordergrund ist darüber in schwarz leicht durchscheinend eine Algiz-Rune gelegt.
Algiz-Rune als Wall­pa­per auf Steam.

Doch auch in den Pro­duk­ten von Destruc­tive Cre­ations find­et die Rune direk­ten Ein­gang, wie im Unter­ti­tel LEGACY unten zu sehen ist.

Screenshot des offiziellen Schriftzugs des Titels des von Destructive Creations entwickelten Spiels "Ancestors Legacy". Auf dem Screenshot erkennt man, dass das Y von "Legacy" eine Algiz-Rune, ein bekanntes rechtsextremes Symbol, ist. Die Rune ist noch einmal zusätzlich durch einen roten Kasten auf dem Screenshot hervorgehoben.
Logo von Ances­tors Lega­cy, markiert ist die Algiz-Rune.

Hier der Bild­nach­weis, dass es sich bei diesem Pro­fil tat­säch­lich um den Destruc­tive Cre­ations-Mitar­beit­er Marcin Kaźmier­czak han­delt. Bei sein­er Ankündi­gung im Novem­ber 2020 zu Car­bon Stu­dio VR zu wech­seln, kom­men­tierte Destruc­tive Cre­ations-Chef Jarosław Zielińs­ki den Abgang seines Mitar­beit­ers mit größter Wertschätzung.

Face­book-Pro­fil von Kaźmierczak.

Jarosław Zieliński, CEO

Gruppenfoto des Teams von Destructive Creations in Gliwice vor dem Firmensitz im Jahr 2016. Das Gesicht eines Mannes rechts in der Gruppe (Jarosław Zieliński, CEO von DC) ist durch einen roten Kreis markiert.
Grup­pen­fo­to von Destruc­tive Cre­ations, 2016, markiert ist Zielinski.

Zielińs­ki ist auf diesem Mitar­beit­er­bild von Destruc­tive Cre­ations vor dem Fir­men­sitz im Gli­wice im Jahre 2016 zu sehen. Sein Pullover zeigt das Emblem der Nar­o­dowe Siły Zbro­jne NSZ (Nationale Stre­itkräfte), die während des Zweit­en Weltkrieges gegen die deutsche und sow­jetis­che Besatzung kämpfte. Die NSZ gin­gen 1942 aus dem faschis­tis­chen ONR der 1930er Jahre her­vor – die NSZ-Sol­dat­en haben Kriegsver­brechen an der belaru­sis­chen, ukrainis­chen und jüdis­chen Zivil­bevölkerung sowie an kom­mu­nis­tis­chen Pol*innen verübt.

Nach den Vor­wür­fen von 2014 hat Zielińs­ki seine öffentlich ein­se­hbaren Likes ges­per­rt. Den­noch fällt er durch zahlre­iche LGBTQIA+-, Islam- sowie  linken­feindliche Kom­mentare auf.

Screenshot eines LGBTQ+-feindlichen Facebook-Post, den Jarosław Zieliński auf seinem eigenen Facebook-Profil am 20. März 2021 geteilt hat.
LGBTQIA+-feindlicher Face­book-Post von Zielinski.

Auf diesem LGBTQIA+-feindlich intendierten Post ein­er recht­en Face­book-Gruppe kom­men­tierte ein enger Ver­trauter von Zielińs­ki mit einem Flam­men­wer­fer-GIF. Zielińs­ki und auch einem weit­eren DC-Mitar­beit­er (Jakub Sty­ch­no bzw. Jakub ES) gefällt das GIF:

Screenshot eines Kommentars als Antwort auf einen LGBTQ+-feindlichen Post, den Jarosław Zieliński auf seinem Facebook-Profil geteilt hat. In dem Kommentar antwortet enger Vertrauter Zieliński mit dem Username "Matt Smith" auf den Post mit einem Flammenwerfer-Gif. Der Kommentar ist sowohl von Zieliński selbst als auch einem weiteren DC-Mitarbeiter (Jakub Stychno unter dem Username "Jakub ES") mit "Gefällt mir" markiert worden. Zielińskis Like ist zusätzlich durch einen roten Rahmen noch einmal auf dem Screenshot markiert worden.
Like von Zielin­s­ki auf einem LGBTQIA+-feindlichen Bild.

Zielińs­ki führt unter diesem Thread weit­er aus:

Screenshot eines Kommentars von Jarosław Zieliński bei Facebook. Er schreibt (in Übersetzung): "Ich halte einen Jungen, der sich als Weib verkleidet, nicht für einen gesunden Menschen. Ich halte einen Jungen, der Transen unter Kindern befürwortet, nicht für einen gesunden Menschen. Ich finde, dass durchgeknallte Personen überhaupt keine Möglichkeit haben sollten, Zugang zu Bildungsstätten für Kinder zu erhalten. Change my fucking mind, erstbestes Linksgesocks."
Trans­feindlich­er Face­book-Kom­men­tar von Zielinski.

Ich halte einen Jun­gen, der sich als Weib verklei­det, nicht für einen gesun­den Menschen.
Ich halte einen Jun­gen, der Transen unter Kindern befür­wortet, nicht für einen gesun­den Menschen.
Ich finde, dass durchgek­nallte Per­so­n­en über­haupt keine Möglichkeit haben soll­ten, Zugang zu Bil­dungsstät­ten für Kinder zu erhal­ten. Change my fuck­ing mind, erst­bestes Linksgesocks.

Zus­tim­mung erfährt dieser Kom­men­tar von 24 Per­so­n­en, darunter von eini­gen Mitarbeiter*innen von Destruc­tive Cre­ations: To Masz (echter Name unbekan­nt) und Jakub ES (Jakub Sty­ch­no). Let­zter­er ist bere­its 2014 als Anhänger des ONR auf­fäl­lig geworden.

Screenshot der Likes zu einem LGBTQIA+- und insbesondere transfeindlichen Facebook-Kommentar von Jarosław Zieliński. In der Liste taucht u.a. der Destructive Creations-Mitarbeiter To Masz (echter Name unbekannt) auf. Sein Eintrag in der Liste ist zusätzlich auf dem Screenhot mit einem roten Kasten markiert.
Like­liste von Zielińskis Post mit To Masz.
Screenshot der Likes zu einem LGBTQIA+- und insbesondere transfeindlichen Facebook-Kommentar von Jarosław Zieliński. In der Liste taucht u.a. der Destructive Creations-Mitarbeiter Jakub ES (Jakub Stychno) auf, der bereits 2014 als Anhänger des ONR aufgefallen ist. Sein Eintrag in der Liste ist zusätzlich auf dem Screenhot mit einem roten Kasten markiert.
Like­liste von Zielińskis Post mit Jakub ES.

Hier sind bei­de auf dem aktuellen Grup­pen­fo­to von 2018 zu sehen:

To Masz im Team von Destruc­tive Cre­ations, 2018.
Jakub ES im Team von Destruc­tive Cre­ations, 2018.

An ander­er Stelle koket­tiert Zielińs­ki damit, nach gängiger Def­i­n­i­tion ein Nazi zu sein:

Screenshot eines Facebook-Posts von Jarosław Zieliński vom 30. August 2019. Darauf zu sehen ist eine Flowchart, die die Frage "Are you a Nazi?" beantworten soll. Zu der Antwort "Congratulations you're a Nazi" gelangt man auf der Grafik, wenn man bejaht weiß zu sein und sich nicht selbst dafür zu hassen, weiß zu sein.
Von Zielin­s­ki geteiltes Schaubild über das Nazi-Sein.

Fol­gen­des Gespräch fand unter diesem Schaubild statt:

Screenshot eines Facebook-Kommentars von Pioter Sulecki in Reaktion auf einen Post von Jarosław Zieliński mit einem Schaubild mit dem Titel "Are you a Nazi?". Sulecki fragt: "Und darf ich auch direkt „yes“?", woraufhin Zieliński antwortet: "Also ich habe mich bereits daran gewöhnt, dass ich nach neuestem Verständnis des Wortes auch unter diese Kriterien falle. Du hingegen insgesamt nach jedem Verständnis des Wortes. 😊 ". Auf dem Screenshot sieht man außerdem, dass Zieliński zudem Suleckis Kommentar gelikt hat.
Face­book-Kom­men­tar, in dem sich Zielin­s­ki selb­st als Nazi bezeichnet

Piot­er Sulecki

Und darf ich auch direkt „yes“?

Jarosław Zielińs­ki

Also ich habe mich bere­its daran gewöh­nt, dass ich nach neuestem Ver­ständ­nis des Wortes auch unter diese Kri­te­rien falle.

Du hinge­gen ins­ge­samt nach jedem Ver­ständ­nis des Wortes. 😊

Linke und antifaschis­tis­che Arbeit sieht Zielińs­ki als kap­i­tal­is­tis­ches Instru­ment gegen die Arbeit­er­schaft. „Genau so sehe ich das“ schreibt der Destruc­tive Cre­ations-Chef und toleriert anti­semi­tis­che Kom­mentare auf seinen Post:

Screenshot eines Facebook-Posts von Jarosław Zieliński vom 9. August 2019, mit dem er mit der Bemerkung "Genau so sehe ich das" einen antisemitischen Comic gepostet hat. Im Comic hält ein*e vermummte Antifaschist*in eine Rede über die eigenen Forderungen. Auf Nachfrage nach weiteren Forderungen dreht sich die Person um und gibt die Frage an drei ältere Männer in Anzügen weiter, wobei einer davon eine auffällige Hakennase hat und die Hände zusammengelegt hat als ob er sie sich reiben würde.
Von Zielin­s­ki auf Face­book geteil­ter anti­semi­tis­ch­er Comic.
Screenshot einer Antwort auf einen Facebook-Post vom 9. August 2019, in dem Jarosław Zieliński einen antisemitischen Comic geteilt hat. In dem Kommentar antwortet Pioter Sulecki (in deutscher Übersetzung): "Fuck [...], jedenfalls sind die Nasen der Eliten zu klein."
Face­book-Kom­men­tar von Zielinksi zu einem anti­semi­tis­chen Comic.

Piot­er Sulecki

Fuck […], jeden­falls sind die Nasen der Eliten zu klein.

Das recht­sex­treme Feind­bild der jüdis­chen Finanzelite ver­schmilzt hier mit der beson­ders in Polen vir­u­len­ten Mär der soge­nan­nten Judäo-Kom­mune: die Vorstel­lung, dass der his­torische Bolschewis­mus ein jüdis­ches Herrschaftsin­stru­ment zur Ver­nich­tung der christlich-pol­nis­chen Gesellschaft war. Seit 1919 ist dieses anti­semi­tis­che Nar­ra­tiv ein fes­ter Bestandteil in nation­al­is­tis­chen Milieus in Polen.

Die gegen­wär­tige Adap­tion ein­er ver­meintlich ewigen Feind­schaft der Juden gegenüber Polen nimmt Historiker*innen, Holocaust-Forscher*innen, jüdis­che Organ­i­sa­tio­nen und die israelis­che Polen­poli­tik in den Fokus. Polen sei – so Zielińs­ki – nach Palästi­na das näch­ste Opfer Israels:

Screenshot eines Facebook-Posts von Jarosław Zieliński vom 13. Juni 2019, in dem er ein inzwischen von Youtube gesperrtes Video des selbsterklärten amerikanischen Polen-Experten und Historiker Edward Reid, der selbst dafür bekannt ist, antisemitische Verschwörungsmythen wie die einer gezielten Ausbeutung Polens durch die Juden zu verbreiten. Zieliński kommentiert das Video mit den Worten: "I say: In 30 years, Poland will be the second Palestine. Who wanna bet?"
Face­book-Post von Zielin­s­ki mit geteil­tem anti­semi­tis­chen YouTube-Video

Das von Zielińs­ki bewor­bene Video wurde von Youtube zwis­chen­zeitlich bere­its ges­per­rt. Es stammt vom selb­sterk­lärten amerikanis­chen Polen-Experten und His­torik­er Edward Reid und ver­bre­it­et die anti­semi­tis­che Mär ein­er geziel­ten Aus­beu­tung Polens durch Juden, durch Israel, durch eine „Holocaust“-Industrie:

Screenshot der Amazon-Seite des Buchs "Unjust Act s.447 and other works" des selbsterklärten amerikanischen Polen-Experten und Historiker Edward Reid, der selbst dafür bekannt ist, antisemitische Verschwörungsmythen wie die einer gezielten Ausbeutung Polens durch die Juden, durch Israel, durch eine „Holocaust“-Industrie zu verbreiten. Dem Klappentext ist bereits zu entnehmen, dass Reid diese Verschwörungsmythen auch mit diesem Buch verbreitet.
Screen­shot der Ama­zon-Verkauf­s­seite des anti­semi­tis­chen „Unjust Acts s.447 and oth­er works”

Maciek Pryc, Gameplay Programmer 2014–2019

Maciek Pryc im Team von Destruc­tive Creations.
Screenshot des Facebook-Profils von Maciek Pryc. Unter "Steckbrief" kann man sehen, dass er bei Facebook angegeben hat, bei The Farm 51 und später bei Destructive Creations gearbeitet zu haben. Auf seinem Profilbild posiert er mit einem Schwert und sein Titelbild zeigt ein Foto von Menschen in pseudo-mittelalterlicher Kleidung, wohl von einer Reenactment-Veranstaltung.
Face­book-Pro­fil von Maciek Pryc.

Maciek Pryc ist aktives Mit­glied der neuhei­d­nis­chen Reen­act­ment-Gruppe Nordlige Sver­da Hird. Die Mit­glieder dieser Gruppe imag­inieren sich als nordisch-slaw­is­che Gemein­schaft und gehören damit ein­er größeren Bewe­gung des slaw­is­chen Neuhei­den­tums mit offe­nen Flanken in die recht­sex­treme Szene an. In der Tra­di­tion des Neo-Pagan­is­mus des 19. Jahrhun­derts und ins­beson­dere der 1920er und ‑30er Jahre sind die Gren­zen zwis­chen slaw­is­chem Neuhei­den­tum und Anti­mod­ernismus, Anti­semitismus und Nation­al­is­mus fließend. Auch Grup­pen, die sich selb­st als unpoli­tisch beze­ich­nen und ange­blich rein his­torische Inter­essen ver­fol­gen, haben in der Ver­gan­gen­heit immer wieder Über­schnei­dun­gen mit der recht­sex­tremen Szene aufgewiesen. Kein Wun­der: schließlich ist der rechte Sehn­sucht­sort „Mit­te­lal­ter” in den Nar­ra­tiv­en des pol­nis­chen Nation­al­is­mus seit Jahrzehn­ten als gesellschaftlich­es Ide­al­bild stil­isiert wor­den. Wo aber Neofaschist*innen einen katholis­chen Kirchen­staat her­beisehnen, träu­men die Neuheid*innen von ein­er Zeit vor der Chris­tian­isierung. Ähn­lich wie bei dem Neuhei­den­tum im NS gilt auch hier: die Chris­tian­isierung gilt als „Ver­judung”, als „Verun­reini­gung“ und als Ver­lust ein­er ver­meintlich orig­inär-kollek­tiv­en, eth­nis­chen, slaw­is­chen Identität.

Es ist kein Zufall, dass das Konzept des preis­gekrön­ten DC-Games Ances­tors Lega­cy diese erst mit der Mod­erne erdachte und his­torisch unzutr­e­f­fende Lesart ein­er Ursprünglichkeit und Homogen­ität der jew­eili­gen Völk­er auf­greift und als his­torische Fak­ten verkauft. Die Darstel­lung dieser ex post zu Ide­alvölk­ern stil­isierten Spielmo­di ist, ger­ade wegen des nation­al­is­tis­chen Mind­sets der Spieleentwickler*innen, bei Destruc­tive Cre­ations hoch problematisch.

Auf fol­gen­dem Screen­shot der Nordlige Sver­da Hird ist Maciek Pryc mit soge­nan­ntem Valknut oder Wotan­sknoten auf der Brust zu sehen; ein Sym­bol das weltweit als Zeichen des ras­sis­chen Ahnenkults ver­wen­det wird:

Screenshot eines Facebook-Posts der Seite der der neuheidnischen Reenactment-Gruppe Nordlige Sverda Hird, zu der u.a. Maciek Pryc gehört. Dem Post ist ein Screenshot eines Zoom-Meetings angehängt, in dem mittig oberkörperfrei Pryc unter dem Anzeigenamen "Hoskuld" zu sehen ist. Auf seiner Brust sieht man rechts eine Tätowierung eines Wotansknoten und damit eines Symbols, das weltweit als Zeichen des rassischen Ahnenkults verwendet wird. Pryc ist auf dem Screenshot zusätzlich noch einmal durch einen roten Rahmen hervorgehoben.
Maciek Pryc mit aufge­mal­tem Wotan­sknoten in einem Zoom-Meet­ing von Nordlige Sver­da Hird, Facebookbild.

Maciek Pryc, der sich selb­st nach der Wikinger-Leg­ende „Hoskuld“ nen­nt, gehört augen­schein­lich zum Führungszirkel der neuhei­d­nis­chen-Reen­act­ment-Gruppe und ist auf zahlre­ichen Bildern von Nordlige Sver­da Hird zu erken­nen. Da Pryc keine Gefällt-Mir Angaben bei Face­book macht und son­st auch kaum auf Bildern getagged wurde, lohnt sich ein Blick in die Gefällt-Mir-Angaben jen­er Nordlige Sver­da Hird-Mit­glieder, die augen­schein­lich mit Pryc zum Führungszirkel gehören, um eine Ein­schätzung zum poli­tis­chen Com­mon-Sense in diesem Milieu zu tre­f­fen. Typ­isch scheint dabei zunächst die selb­stver­ständliche Nutzung nordisch-slaw­is­ch­er Sym­bole wie dem Kolovrat, der ins­beson­dere im ost­mit­tel- und osteu­ropäis­chen Recht­sex­trem­is­mus geläu­fig ist:

Kolovrats auf den Schilden der Reen­act­ment-Gruppe Nordlige Sver­da Hird.
Kolovrats auf den Schilden der Reen­act­ment-Gruppe Nordlige Sver­da Hird.

Die Mit­glieder der Reen­act­ment-Gruppe von Maciek Pryc weisen ähn­liche neuhei­d­nisch-nation­al­is­tis­che Pro­file auf, wie bere­its seine Arbeitskolleg*innen bei Destruc­tive Cre­ations: Geliked wer­den Aktivis­ten des recht­sex­tremen Ruch Nar­o­dowy oder recht­sex­treme Parteien wie Par­tia Kor­win. Beson­ders häu­fig gefällt den Mit­gliedern aber die Gruppe Nie dla Islamiza­cji Europy (“Nein zur Islamisierung Europas”):

Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Zenon Król, einem Mitglied der Reenactment-Gruppe Nordlige Sverda Hird, bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, dass er u.a. die Seite der Gruppe Nie dla Islamizacji Europy (“Nein zur Islamisierung Europas”) und der rechtsextremen Partei Partia Korwin, gelikt hat. Beide Einträge in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like von Nordlige Sver­da Hird-Führungsmit­glied Zenon Król bei Nie dla Islamiza­cji Europy.

Die Gruppe Nie dla Islamiza­cji Europy hat nahezu 300.000 Abonnent*innen und dient als Plat­tform für einen aggres­siv­en, antimus­lim­is­chen Ras­sis­mus und Nation­al­is­mus im Sinne des Ruch Nar­o­dowy. Wie am fol­gen­den Beispiel­bild der Gruppe zu sehen ist, wer­den his­torische Nar­ra­tive mit recht­sex­treme­nen Feind­bildern ver­woben und so eine unverän­derte Mis­sion der pol­nis­chen Nation sug­geriert. Hier reit­en die leg­endären Flügel­hus­saren, wie sie in der Schlacht vor Wien 1683 gegen das osman­is­che Heer zum Ein­satz kamen, zum Sturm gegen die ver­meintlichen Feind*innen Polens: Migrant*innen und ins­beson­dere männliche Migranten. Dieser “Protest gegen Migranten” wird stets als his­torische Mis­sion gegen eine “islamistis­che Inva­sion” Polens portraitiert.

Screenshot eines Facebook-Posts der Gruppe Nie dla Islamizacji Europy (“Nein zur Islamisierung Europas”) vom 11. September 2015. Auf einem stark stilisierten Bild mit einem Adlerkopf über einer Schlachtenszene im Hintergrund sieht man einen Flügelhussaren, wie sie in der Schlacht vor Wien 1683 gegen das osmanische Heer zum Einsatz kamen, der mit erhobenem Schwert auf mehrere schreiende Männer im Vordergrund zureitet. Die Männer sind alle sehr offensichtlich muslimisch gecodet und so am unteren Bildrand platziert, dass man nur noch ihre Gesichter sieht so als ob sie vor dem Reiter weglaufen.
Islam­feindlich­er, ras­sis­tis­ch­er Face­book-Post der Seite von Nie dla Islamiza­cji Europy.

Weitere Mitarbeiter von Destructive Creations

Die Beliebtheit der Gruppe Nie dla Islamiza­cji Europy zeigt sich auch im Destruc­tive-Cre­ations-Team. Geliked hat diese näm­lich auch Marcin Kaźmier­czak sowie ein weit­er­er Mitar­beit­er mit dem Alias „Robert Artur von Ritter”:

Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Marcin Kaźmierczak (alias "Robert Artur von Ritter") bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite der Gruppe Nie dla Islamizacji Europy (“Nein zur Islamisierung Europas”) gelikt hat. Der Eintrag von der Gruppe in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like durch Kaźmier­czak bei Nie dla Islamiza­cji Europy.
„Rubert Artur von Rit­ter” im Team von Destruc­tive Creations.
Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Marcin Kaźmierczak (alias "Robert Artur von Ritter") bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite der Gruppe Nie dla Islamizacji Europy (“Nein zur Islamisierung Europas”) gelikt hat. Der Eintrag von der Gruppe in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like durch „Robert Artur von Rit­ter” bei der Nie dla Islamiza­cji Europy.

Antimus­lim­is­ch­er Ras­sis­mus und Anti­semitismus sind darüber hin­aus Leit­mo­tive des soge­nan­nten NSBM – Nation­al­sozial­is­tis­ch­er Black Met­al. Auf­fäl­lig ist, dass  ger­ade die Bands, die bei DC-Mitarbeiter*innen beliebt sind, häu­fig einen pagan­is­tis­chen Ein­schlag aufweisen. Kamil Boczkows­ki – 3D Ani­ma­tor bei DC – gefällt zum Beispiel die Band Perunwit:

Gruppenfoto des Teams von Destructive Creations in Gliwice vor dem Firmensitz im Jahr 2016. Das Gesicht eines Mannes links in der Gruppe (Kamil Boczkowski, 3D-Artist bei DC) ist durch einen roten Kreis markiert.
Boczkows­ki im Team von Destruc­tive Cre­ations, 2016.
Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Kamil Boczkowski bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite von der Band Perunwit gelikt hat. Der Eintrag der Seite der Band in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like durch Boczkows­ki bei der Band Perunwit.
Face­book-Anzeige von Boczkowskis Pro­fil bei Destruc­tive Creations.
Screenshot der "Gefällt mir"-Angaben von Kamil Boczkowski bei Facebook. Dem Screenshot kann man entnehmen, das er u.a. die Seite der neuheidnischen Reenactment-Gruppe Nordlige Sverda Hird gelikt hat. Der Eintrag der Seite der Gruppe in der Liste ist auf dem Screenshot zusätzlich mit einem roten Rahmen markiert.
Like durch Boczkows­ki bei Nordlige Sver­da Hird.

Perun­wit ist eine von zahlre­ichen Bands, die in der neo­pa­gan­is­tisch-nation­al­is­tis­chen Szene pop­ulär sind. Die pol­nis­che Anti­ras­sis­mus-Stelle NIGDY WIĘCEJ und ihr Leit­er, der Poli­tik­wis­senschaftler Rafał Pankows­ki, zählen Perun­wit zweifel­los zum soge­nan­nten NSBM. Auf ein­er Fan­seite teilte die Band Perun­wit ihren Fans mit:

“A jak powin­na wyglą­dać EUROPA? Bez żydów, murzy-nów, nier­obów, boga JAHVE i innego robact­wa!” (Pankows­ki 2009)

„Wie sollte EUROPA ausse­hen? Ohne Juden, [N‑Wort], Schnor­rer, den Gott JAHVE und anderes Ungeziefer!“

Großer Beliebtheit erfreuen sich sowohl unter den DC-Mitarbeiter*innen als auch in der neuhei­d­nis­chen Szene Tat­toos mit entsprechen­der Sym­bo­l­ik. Bei Destruc­tive Cre­ations ist dafür Cypri­an Lis­tows­ki zuständig.

Gruppenfoto des Teams von Destructive Creations in Gliwice vor dem Firmensitz im Jahr 2016. Das Gesicht eines Mannes rechts in der Gruppe (Cyprian Listowski) ist durch einen roten Kreis markiert.
Cypri­an Lis­tows­ki im Team von Destruc­tive Cre­ations, 2016.

Motive sind, wie auch bei Nordlige Sver­da Hird, das Kolovrat bzw. slaw­is­che Sonnenrad:

Screenshot eines Posts der Facebookseite von "Cyprian Listowski Tattoo" vom 24. Februar 2021. Dem Post ist ein Foto angehängt. Darauf sieht man eine Tätowierung eines Kolovrats, eines beliebten Symbols unter den osteuropäischen Rechtsextremen, auf der Innenseite des Unterarmes einer sonst durch den Bildausschnitt nicht weiter identifizierbaren Person.
Kolovrat-Tätowierung von der Face­book-Seite „Cypri­an Lis­tows­ki Tattoo”.

Tat­säch­lich gilt das Kolovrat als beliebtes Sym­bol ins­beson­dere unter osteu­ropäis­chen Recht­sex­tremen und find­et ins­beson­dere über den Weg his­torisch­er Reen­act­ments und Wikinger-Shows Ein­gang in die Mitte der Gesellschaft. Expert*innen für Ur- und Frühgeschichte war­nen mit Blick auf die Unter­wan­derung der Reen­act­ment-Szene vor Sym­bol­en wie dem Kolovrat, das kaum auf  archäol­o­gis­che Funde zurück­ge­ht, son­dern vom NS und ins­beson­dere der SS genutzt wurde.

Zusammenfassung

Die Menge an Verbindun­gen zwis­chen Mit­gliedern von DC und recht­sex­tremen Organ­i­sa­tio­nen, Parteien und son­sti­gen Grup­pen deutet darauf hin, dass die bere­its vor Jahren geäußerte Kri­tik an Destruc­tive Cre­ations noch immer berechtigt ist. Inzwis­chen ver­sucht das Stu­dio sich dem Main­stream anzunäh­ern, beze­ich­net sich und sein Schaf­fen teil­weise sog­ar als antifaschis­tisch. Einige Per­so­n­en aus dem Entwickler*innen-Team stellen ihre Gesin­nung mit­tler­weile weniger öffentlich zur Schau. Trotz­dem sind noch ohne weit­eres etliche ein­deutige Verbindun­gen zur recht­sex­tremen Szene zu finden.

Aber spiegelt sich die ver­meintliche Weltan­schau­ung von Destruc­tive Cre­ations auch in ihren Spie­len wieder? Wir haben die drei bere­its veröf­fentlicht­en kom­merziellen Spiele des Teams und deren Rezep­tion analysiert und in den unten ver­link­ten vier Kurz­dossiers zusam­menge­fasst. Des Weit­eren haben wir die dem Release von War Mon­grels vor­ange­gan­gene PR zusam­menge­fasst und unter Berück­sich­ti­gung der Vorgeschichte von Destruc­tive Cre­ations eingeordnet.

In diesem Sinne: Keinen Pix­el den Faschisten!

Kurzdossiers